»Durchfahrtsbeschränkungen« für Dieselautos

Autolobbyisten und Dieselwagenfahrer haben lange gezittert, nun ist das Urteil gefallen: Fahrverbote sind zulässig. Laut Bundesverwaltungsgericht dürfte Hamburg also Stickoxid-Schleudern aus dem Stadtbild verbannen. Bevor Sie nun tränenreich Ihren alten Bully zum Kauf anbieten, beachten Sie den Konjunktiv: dürfte. Denn was läge dem Senat ferner, als das Autofahren ordentlich zu erschweren? Wir sind immer noch in Deutschland. Und hier gilt: Vorschrift erfüllt, Problem gelöst. So lässt sich erklären, wieso die Hamburger Umweltbehörde statt Fahrverboten nur »Durchfahrtsbeschränkungen« vorsieht, die ihrerseits beschränkt erscheinen: Die erste soll ab Mai auf einer Länge von 1,6 Kilometern auf der Stresemannstraße gelten (Kaltenkirchener Platz bis Neuer Pferdemarkt), aber nur für ältere Diesel-Lkw, die zweite ist auf ganzen 580 Metern auf der Max-Brauer-Alleevorgesehen (Julius-Leber-Straße bis Holstenstraße), für Pkw und Lkw jenseits von Abgasnorm Euro 6 oder IV. Natürlich gibt es Ausnahmen: für Anwohner, für deren Besuch, für Lieferanten, Müllfahrer und Krankenwagen. (Der Polizei soll obliegen, die Privilegierten stichprobenartig von denen zu unterscheiden, die nur so tun, als ob.) Auch Nicht-Anlieger müssen nicht aufs Dieselverfeuern verzichten: Sie verteilen sich einfach auf einer der sechs Ausweichrouten, die die Umweltbehörde vorschlägt, um die beiden Abschnitte weiträumig zu umfahren. Was das bringt? Bessere Luft an den beiden bösen Messstationen, die seit Jahren gesundheitsschädliche Abgasbelastungen oberhalb der kritischen 40-Mikrogramm-Marke dokumentieren. »Die bleibt entscheidend«, bestätigt Behördensprecher Jan DubeGrenzwert eingehalten, Mission erfüllt. Ist damit die Idee des kostenlosen ÖPNV vom Tisch? Man habe den Vorschlag »mit Interesse zur Kenntnis genommen«, sagt Dube, aber sich »nicht primär weiter um das Thema gekümmert«. Ob kostenlos oder nicht: Ohne weiteren Ausbau des Nahverkehrs wird es nicht gehen. Und wenn wir erst an die ganzen Abgas ausstoßenden Schiffe denken…