Vor einigen Jahren war ich in der Autostadt Wolfsburg. Dort werden die Besucherinnen und Besucher unter anderem an einem verspiegelten Bugatti vorbeigeführt, der wirkt, als wäre er aus Silber. Man geht also in andächtigem Respektabstand um ein Auto herum, als wäre es das biblische Goldene Kalb. Nur eben silbern.

Daran muss ich jedes Mal denken, wenn irgendjemand es wagt, diesem Goldenen Kalb nicht mehr alles unterordnen zu wollen. Gestern startete »Ottensen macht Platz«, nach dem Rathausviertel innerhalb weniger Wochen der zweite Bereich, in dem die Straßen wieder für die Hauptakteure jeder Stadt frei gemacht werden sollen: ihre Bewohner. Florian Zinnecker schrieb vor ein paar Tagen, dass einige Anwohner von dem Projekt gar nicht begeistert seien. »Ja und?«, antwortete darauf unser Ottenser Leser Jürgen P. »Die stille Mehrheit, die innerlich jubelt und sich freut, dass es endlich mehr Platz auf der Straße gibt und die Autos weitgehend draußen bleiben müssen, die wird konsequent unterschlagen.« Wie diese stille Mehrheit den zurückgewonnenen Platz gestern genutzt hat, sehen Sie weiter unten. Und ob die befürchteten Probleme tatsächlich eingetreten sind, überprüfen wir in ein paar Wochen.