Lieber Herr Jenett,

»heut wird immer gesagt, man muss über den Tellerrand schauen. Ich sag: Es wäre besser, man würde auch mal in den Teller hineinschauen.« Es kommt nicht häufig vor, dass ich mir einen Satz notiere, nur weil es schön wäre, ihn nicht zu vergessen, bei diesem war es so – er stammt von Gerhard Polt, genauer: aus einem Interview, das mein Kollege Johannes Gernert für die gerade noch aktuelle Ausgabe der ZEIT geführt hat. Polt schaute auf den Schliersee, als er den Satz sagte, er ist aber auch in Hamburg – und er bringt auch sehr schön das auf den Punkt, was wir hier im Büro der Elbvertiefung tun. Um die eigene Stadt besser zu verstehen, hilft es aber manchmal doch, in andere Städte zu schauen (am besten hat das zuletzt der Kollege Frank Drieschner vorgeführt, als er die Verkehrsdaten deutscher Großstädte verglich und feststellte, dass ein schlimmer Tag auf den Hamburger Straßen einem normalen bis guten Tag in München entspricht. Deshalb müssen wir kurz über Rom sprechen. Denn Rom hat – nein, keine Lösung für unser gestriges Problem mit den Hundekotbeutelchen, von dem hier gestern die Rede war, herzlichen Dank an dieser Stelle für all die Zuschriften! Rom jedenfalls ist gerade dabei, eine unkonventionelle Idee im Nachverkehrsticket-Vertrieb zu testen: An drei Stationen stehen dort Automaten, die nicht nur Geld, sondern auch Leergut annehmen – ein Ticket kostet 30 Flaschen. Klar, das ist nichts für den täglichen Gebrauch (die Schlangen vor dem Pfandautomaten würde etwa den Hamburger Hauptbahnhof endgültig zum Platzen bringen). Aber die Idee ist gut – und in Hamburg längst angekommen. Im Sommer konnte man sich auf der Alster kostenlos ein Kajak mieten, wenn man dafür Müll aus dem Wasser fischte. Ich finde, das könnte Schule machen. Vielleicht fällt uns ja auch noch etwas ein, gegen das man defekte E-Scooter eintauschen könnte oder als unrealistisch enttarnte Wahlversprechen. Dass man schon jetzt ab und an auf die Idee kommen könnte, Ideen und Pläne wären den Müll nicht wert, der gegen sie mutmaßlich eingetauscht worden ist, will ich damit natürlich nicht sagen – diese Pointe wäre wirklich zu billig.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihr

Florian Zinnecker

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