Lieber Herr Jenett,

nicht »autofrei«, sondern »autoarm« soll Hamburgs Innenstadt werden. Auf diesen gemeinsamen Nenner haben sich SPD und Grüne in ihren Koalitionsverhandlungen geeinigt. Am Sonntag hatten die Fraktionen bereits lange verhandelt, gestern sollte dann eigentlich das nächste Thema, Stadtentwicklung, dran sein – aber wenn wir dieser Tage eines lernen, dann dass Koalitionsverhandlungen gern mal etwas länger dauern. Vor allem, wenn es um derart heikle Themenfelder wie den Hamburger Verkehr geht. 

Was wurde also beschlossen? 

Die größte Veränderung steht wohl am Jungfernstieg bevor: Der »motorisierte Individualverkehr«, wie es so schön heißt, soll ganz aus der Straße verbannt werden, nur noch Busse und Fahrräder sollen dort fahren. Wie sich das auf die Parkhäuser auswirkt, die weiter erreichbar bleiben sollen, werde geprüft. 

Die Großbaustelle auf der Mönckebergstraße – zwei U-Bahn-Stationen werden barrierefrei ausgebaut – will man nutzen, um einige Busspuren probeweise umzuleiten. Wie schon im Rathausquartier will man den Hamburgern hier also praktisch vorführen, dass so ein bisschen weniger Verkehr womöglich ganz angenehm wäre. 

Und schließlich möchten SPD und Grüne noch das Kontorhausviertel umgestalten, konkret soll der Burchardplatz anders genutzt werden.

Wie genau das alles vonstatten gehen soll, wie sich die Maßnahmen auf umliegende Straßen und Plätze auswirken könnten – das ließen die Koalitionäre demonstrativ offen. Man wolle zunächst diese drei »Leitprojekte« im Herzen der Stadt angehen, hieß es, über andere Bereiche ließe sich später noch reden. Wichtig schien vor allem eine Botschaft, SPD und Grüne wurden nicht müde sie zu wiederholen: Erst mal ausprobieren, die vielen Interessen abwägen, nichts überstürzen. Ob beide Fraktionen mit diesem Tempo zufrieden sind, darüber lässt sich spekulieren. Die größten Konfliktfelder sind jedenfalls noch nicht abgehakt, in den nächsten Tagen geht es noch um Wirtschaft, Klimaschutz, Gesundheit. Wir werden berichten.

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