Lieber Herr Jenett,

das muss er sein, der Wahlkampf. Innerhalb weniger Tage hat sich die SPD nun schon zum zweiten Mal aus der Deckung gewagt und öffentlich erklärt, an welchen Versprechen sie sich messen lassen möchte. Diesmal ist es – wenig überraschend – die Generalsanierung des öffentlichen Nahverkehrs. Ein kluger Schachzug insofern, als dass es hier beinahe egal ist, in welche Richtung man sich bewegt, es kann nur besser werden.

Der Masterplan, den Bürgermeister Peter Tschentscher gestern präsentierte, soll aber nicht nur die allfälligen Probleme flicken. Tschentscher will den Nahverkehr so attraktiv machen, dass überzeugte Autofahrer ihr Auto stehen lassen und umsteigen, dauerhaft und freiwillig. Wie das gehen soll? Nach der Rechnung der SPD mit 600 neuen Haltestellen, bis zu 50 Prozent mehr Bussen, vier nagelneuen Fähren und bis zu 2500 zusätzlichen Fahrerinnen und Fahrern (die Busbeschleunigungsstreifen aus dem vorigen Wahlkampf sind zum Glück ja auch da). Sowie natürlich mit den beiden neu zu bauenden Linien: die U5, die von der City Nord über die Innenstadt bis nach Stellingen fährt, und die S4 zwischen Altona und Bad Oldesloe. Die neue U-Bahn soll 100.000, die S-Bahn sogar 250.000 Menschen an das Schnellbahnnetz anbinden. Eine Million Tonnen CO2 pro Jahr will Tschentscher mit seinem Maßnahmenpaket einsparen. Die Kosten: mehrere Hundert Millionen Euro, die erforderlichen Bundesmittel noch nicht mitgerechnet.

In zehn Jahren soll keine Hamburgerin und kein Hamburger länger als fünf Minuten bis zur nächsten Haltestelle unterwegs sein – das ist das Ziel. Zehn Jahre, das sind zwei Legislaturperioden. Viel zu lange, kritisiert die CDU, und schlägt vor, im Sinne der Attraktivitätssteigerung doch lieber erstmal die Fahrpreise zu senken.

Aber die SPD setzt lieber auf einen eher protestantischen Weg: Der Weg aus dem Elend erfordert weitere Jahre der Entbehrung, mit einer Steigerung der Mühsal durch zusätzliche Baustellen, alles im Sinn einer fernen, dann aber dauerhaften (Er-)Lösung. Klingt nicht schön, aber vernünftig. In Hamburg ist das nicht die schlechteste Idee.

»Es wird schrittweise besser werden«, versprach Peter Tschentscher gestern. Der emotionale Höhepunkt des Wahlkampfs dürfte damit bald erreicht sein.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!
Ihr Florian Zinnecker

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